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Erstbesuchsberich LGH Jodlbühel/Jochberg vom 20.09.2008

Grund des Besuches
Vor kurzer Zeit wurde mir zugetragen, dass der Landgasthof Jodlbühel ein durchaus geeignetes Tiroler Wirtshaus wäre. Die Küche sei sehr gut, die Einrichtung und Ausstattung traditionell und gediegen, die Wirtsläute engagiert und bodenständig. Demzufolge nahm ich unverzüglich Kontakt mit der Familie Reisch auf und vereinbarte einen ersten Besprechungstermin, in dessen Verlauf Familie Reisch Ihr Interesse am Verein Tiroler Wirtshauskultur bekundet.

Allgemeines
Obwohl ich die Strecke von Kitzbühel über den Pass Thurn schon unzählige Mal gefahren bin, muss ich leider eingestehen, dass mir dieser Gasthof, bedingt durch die Straßenführung, noch nie aufgefallen ist. Diesmal jedoch bog ich links ab, und stand kurz darauf vor einem sehr schönen, idyllisch gelegenen Gasthaus.
Herrn Franz Reisch habe ich bereits früher auf „Hochkitzbühel“ kennen und schätzen gelernt. Der zweite Betrieb im Familienbesitz, das „Alpenhaus“ am Kitzbüheler Horn, ist mir ebenfalls bekannt und der Familie eilt ein guter Ruf voraus. Die nächste Generation Reisch befindet sich bereits in den „Startlöchern“ und hilft, trotz der Jugend, fleißig in den Betrieben mit. Die Tochter Franziska übernimmt mit ihren 14 Jahren selbstständig diverse Aufgaben, Sohn Hans-Peter mit 12 Jahren ebenfalls, besonders dann, wenn er von der resoluten Schwester dazu verpflichtet wird.
Es war eine Freude für mich, das Aufnahmeprozedere einzuleiten.

Das Besondere an diesem Wirtshaus
Lobend anerkennen muss ich in diesem Fall die Symbiose von schlichter Tradition und klassischer Moderne. Der Familie Reisch ist es gelungen, den seit Jahrhunderten bestehenden Gasthof behutsam zu renovieren. Eine wunderschöne Stube aus dem Jahre 1724 wurde in ihrer Ursprünglichkeit erhalten. Sämtliche An- und Neubauten des Hauses sind dem Stil dieser Stube mit viel Gefühl und Geschmack angeglichen worden. Es bereitete uns vollendeten Genuss, in dieser herrlichen, als Nichtraucher-Raum deklarierten Stube Platz zu nehmen.

Die Fassade, der Eingangsbereich sowie die Stuben befinden sich in bestens gepflegtem Zustand. Sauberkeit und Ordnung sind allgegenwärtig. Die Toiletteanlagen sind neuwertig, sehr sauber, wohlriechend und hygienisch einwandfrei.

Beim Betreten des Hauses nehmen wir einen guten, dezenten Holzgeruch war, wie er nur in alten Stuben vorkommt, dessen Holz gepflegt wird. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl. Die Tischwäsche ist in schlichtem weiß gehalten, in diesem Falle „blütenweiß“, und ist tadellos gebügelt. Die Tischkultur ist dem Stil des Hauses angepasst, schlicht, dezent aber liebevoll arrangiert. Die Menagen sind gefüllt und sauber. Dekorationen sind zurückhaltend und dezent gehalten, was zu diesem Haus hervorragend passt. Zum Beispiel stehen beim Kachelofen 2 Puppen, ca. 60 cm hoch, gekleidet mit Jeans und warmen Jacken, welche die Gesichter an den Kachelofen drücken. Wie zwei kleine Kinder, die unartig waren, und nun „sich schämen und im Winkel stehen“ müssen. Meine Frau fand das, Zitat: „total süß!!!“

Von Andrea, der freundlichen Servicemitarbeiterin, werden wir unverzüglich mit der Speisenkarte versorgt und nach unseren Getränkewünschen befragt. Wir studieren aufmerksam die Karte (in diesem Falle eher ein Speisenbuch). Die Speisenkarte ist sauber geschrieben, mit gut lesbarer, großer Schrift, und übersichtlich gestaltet. Besonders ältere Gäste mit einer bestimmten Sehschwäche werden es danken. Das Speisenangebot setzt sich wie folgt zusammen: Suppen, Hauptgerichte, Tiroler Gerichte, Vom Grill, Steaks, Für unsere kleinen Gäste, Salate, Zur Jause, Zwischengerichte und Käse. Weiters gibt es eine Tageskarte ohne Datum, welche mit „Aktuelles“ betitelt wird. Die Seite „Aktuelles“ besteht aus: Vorspeisen, Suppen (eine Suppe?), Fischgerichte und fleischlose Speisen, Hauptgerichte und Desserts.

Wir wählten von der Standardkarte die Frittatensuppe. In einer hübschen, dem Stil des Hauses angepassten Tasse bekamen wir eine mäßig heiße, aber grundsätzlich gute Rindssuppe. Die Frittaten waren gut, sehr fein geschnitten und hausgemacht. Dieser österreichische Suppenklassiker kann mit gut beurteilt werden.
Der geräucherte Hirschschinken mit Wacholderbutter war ausgezeichnet. Der Schinken war mild gewürzt, dennoch sehr schmackhaft (ähnlich dem Osttiroler Henkele oder dem Bündner Fleisch). Frisch gerissene Kren und verschiedene Brotsorten im Körbchen rundeten dieses wunderbare Gericht noch zusätzlich ab. Allein die Wacholderbutter hatte etwas Kühlhausgeruch angenommen und erschien mir insgesamt etwas abgestanden. Auch die Garnitur, bestehend aus diversen nicht marinierten Salatblättern, schien mir eher eine Verlegenheitssache. Insgesamt kann ich diese Vorspeise mit gut beurteilen.

Sehr gut mundete das Tiroler Gröstel mit Spiegelei und gemischtem Salat. Das Gröstl war fachlich richtig zubereitet. Die Kartoffeln waren, ebenso wie das Fleisch, gut angebraten, außen „kross“, innen jedoch schön weich und saftig. Das Spiegelei war zwar nicht HACCP konform aber sehr gut durchgebraten. Der dazu servierte gemischte Salat bestand aus: grünem Salat, Radicchio, Rahmgurken, Kraut, Karotten, Stücke von Gurke, Tomate und roter Paprika. Jeder Salat für sich war ausgezeichnet mariniert und hübsch angerichtet. Dieses traditionelle Tiroler Hauptgericht kann ich mit sehr gut beurteilen.

Dies gilt ebenso für die Wildschweinschnitte in Powidlsauce, Kroketten und Rotkraut. Die beiden Scheiben Fleisch waren zart, saftig und sehr wohlschmecken. Die Sauce von schöner Farbe und sämig in der Konsistenz, etwas Unterstützung durch die Industrie war nicht zu verleugnen, störte jedoch nicht, da es eindeutig der Verbesserung der Sauce diente. Wie immer ist es eine Frage des Verhältnisses. Die „Zapfenkroketten“ waren ein Convenience Produkt. In Zeiten der Personalknappheit und -verteuerung ist die Sinnhaftigkeit von selbst hergestellten Kroketten ohnehin in Frage zu stellen. Diese schmeckten wirklich gut, und passten wunderbar zum Gericht. Das Rotkraut war ausgezeichnet im Geschmack, von ebenso schöner Farbe wie tadelloser Konsistenz. Irritiert hat mich lediglich die Blattsalatgarnitur, welche in der warmen Sauce zu Tode welkte. Solcherart Garnituren sind nicht mehr zeitgemäß. Dieses Hauptgericht kann ich insgesamt dennoch mit ausgezeichnet beurteilen.

Zum Abschluss wählten wir noch die hausgemachte Moosbeernocke. Die uns servierte Moosbeernocke war einfach herrlich! Auch die Schoko-Nusspalatschinke war ausgezeichnet. Diese war frisch zubereitet, zart und weich zugleich, mit knusprigen Rändern. Reichlich geriebene Nüsse, eine feine Nussfülle sowie etwas Schokosauce perfektionierte diese Süßspeise. Reichlich Schlagrahm war beigefügt. Grandios, diese Desserts!

Die Küchenqualität im Landgasthof Jodlbühel kann insgesamt mit sehr gut beurteilt werden.

Ebenso die Servicequalität von Frau Andrea, welche kurz vor ihrer Lehrabschlussprüfung steht. Sie hat bei Familie Reisch die Doppellehre absolviert und zeichnet sich durch ihre Freundlichkeit, Höflichkeit, Aufmerksamkeit, kompetente Beratung und Schnelligkeit aus.- Bravo!

Anregungen
Das Angebot ist mehr als ausreichend. Mit den Gerichten auf der Seite „Aktuelles“ zähle ich ca. 38 Gerichte. Davon gibt es 26 Gerichte mit Fleisch (68%). Fleischlose Gerichte, inkl. Käse und Kaiserschmarrn, zähle ich 9 Gerichte. Besonders Frauen wählen abends gerne ein fleischloses Gericht wenn sie denn die Möglichkeit dazu haben. Ich empfehle Aufnahme weiterer fleischloser Gerichte in die Speisenkarte, die Tiroler Wirtshausküche bietet zu diesem Thema eine Fülle von Möglichkeiten. Spinatknödel, Nudeln, Nocken, Plenten, Blattln und so weiter. Der Königsweg in dieser Sache ist der: Aufnahme von fleischlosen Gerichten in „Aktuelles“, Machbarkeit und Akzeptanz prüfen, und wenn diese zufriedenstellend sind – in die Standardkarte übernehmen.

Parallel dazu empfehle ich den Abbau von mindestens 5 fleischhaltigen Hauptgerichten – 20 Gerichte mit Fleisch sind meiner Meinung nach mehr als genug. Zweckdienliche Hinweise liefert hier die Artikelstatistik. Diese Entscheidung bleibt aber grundsätzlich den Wirtsleuten überlassen!

In der Speisenkarte gibt es mehrere „Ungereimtheiten“ und es haben sich einige Rechtschreibfehler eingeschlichen. Unter der Rubrik „Aktuelles“ Fische, fleischlose Speisen steht geschrieben: Zanderfilet vom Grill mit gedünsteten Tomatenwürfeln Petersillkartoffeln (sollte wohl heißen Petersilkartoffeln) und gemischtem Salat. Hier zähle ich ein Fischgericht (und nicht mehrere), ein weiteres fleischloses Gericht finde ich allerdings nicht. Dies ist auch auf der Karte bei Suppen so. Hier finde ich nur die Tomatencremesuppe (in der Einzahl). Hier empfehle ich eine Überarbeitung der Speisenkarte im Zuge einer eventuellen Umstrukturierung aufgrund der Mitgliedschaft zum Verein.
Aus Gründen der Frische und Lagerfähigkeit empfehle ich grundsätzlich und immer, ein kleineres Angebote auf der Standardkarte und ein laufend wechselndes Angebot auf der Karte „Aktuelles“ vorzusehen. Das Angebot kann so besser an den Geschäftsverlauf angepasst werden. Wochentags ist es eher ruhig, am Wochenende kommt man mit dem „mise en place“ und dem Geschäft kaum nach. Eine kleine Standardkarte wirkt sich positiv auf dieses Verhältnis aus.

Mit Ausnahme der besonderen Anlässe, wie Knödel- oder Spießabende am Donnerstag ist das Angebot im Jodlbühel eher durchschnittlich. Nachdem die Küche grundsätzlich eine sehr gute Qualität liefert, sollte es möglich sein sich weiter zu profilieren. Ob dies Krapfen, Knödel, Fisch, Wild, Blattln, Nudeln o.ä. ist, bleibt den Wirtsleuten überlassen. Zu sagen ist, dass das Angebot grundsätzlich gut ist, jedoch finde ich ähnliche Angebote auch in vielen anderen Wirtshäusern. An dieser Stelle darf ich einen renommierten Professor der Regensburger Universität zitieren: „In gesättigten Märkten führt Durchschnittlichkeit zwangsläufig zu einer negativen Rendite“. Hier würde ich mehr Profil empfehlen. Wofür genau, außer guter Qualität, steht der schöne Landgasthof kulinarisch?

Ich würde empfehlen, typische Tiroler Gerichte unter einer Rubrik "Aus der Tiroler Wirtshausküche" zusammenzufassen. Der Gast kommt in dieses schöne Land nicht zuletzt auch wegen unserem guten Essen.Außerdem empfehle ich einen Einleitungstext mit dem Leitspruch der Tiroler Wirtshauskultur.


Was hat besonders gut gefallen?
• Die Änderung von „Tageskarte“ auf Aktuelles
• Die allgemeine Sauberkeit, Ordnung und die geschmackvolle Dekoration
• Die allgegenwärtige Freundlichkeit und Aufmerksamkeit
• Das perfekte Preis – Leistungsverhältnis
• Die lobenden Worte der Gäste am Nebentisch
• Die Tischkultur mit Stofftextilien, Pfeffermühlen und Menagen, Kerzen, frische Blumen
• Die Freundlichkeit und Höflichkeit von Franziska und Hans-Peter
(es wird manierlich gegrüßt, der Dame wird zuerst die Hand gereicht etc.)
• Stammgästen wird ein „Schnaperl“ angeboten. Für Nicht-Schnapsdrinker gibt’s im Schnapsglas ein „Amicelli“ als Ersatz. Somit wirkt man nicht unhöflich, wenn man Schnaps ablehnt
• Die tadellose Auswahl von österreichischen Weinen (beinahe ausschließlich)

Was ich zur Verbesserung anregen würde
• Die Schreibfehler in der Speisenkarte/Getränkekarte:
(Suppen), Fische (wie bereits erwähnt), Champangner in der Überschrift.

Mit der Chefin des Hauses hatten wir noch ein umfassendes, informatives und sehr angenehmes Gespräch. Deutlich erkenne ich den Willen und die Bereitschaft, die Kriterien der Tiroler Wirtshauskultur in den schönen Landgasthof Jodlbühel einfließen zu lassen. Die Voraussetzungen dazu sind ausgezeichnet.

[b]Aufgrund dieser Erkenntnis empfehle ich dem Vorstand der Tiroler Wirtshauskultur die Aufnahme des Landgasthofs Jodelbühl als Ausflugswirtshaus in den Verein.[/b

20. September 2008
Ernst Schmiedhuber

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